Als Leser und vielleicht künftiger Bauherr dürfen Sie sich bereits heute freuen. Die
Tage voller Langeweile, ohne Spannung und ohne "Highlights" sind vorbei. Es grenzt
schon beinahe an einen schlechten Hollywoodstreifen, womit Sie sich künftig die Zeit
vertreiben müssen und vertrauen Sie mir...Sie werden die ruhige Zeit vermissen.

Unsere Erlebnisse mit den
Ämtern im Landkreis Oberhavel.
Der ganze Ärger begann im Dezember 2002. Wir waren uns inzwischen halbwegs mit
dem Grundstücksverkäufer einig geworden, was unsere Vorstellungen angeht und
hatten uns zur Sicherung der Eigenheimzulage Vollmachten geholt, um für das uns
noch gar nicht gehörende Grundstück bereits eine Bauanzeige einzureichen. Die Bau-
anzeige ist ein vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren, bei dem ein geplantes
Bauvorhaben nur "gemeldet" werden muß und nach 4 verstrichenen Wochen ohne
Widerspruch vom Bauamt als genehmigt gilt.

Soweit so gut...

Dies gibt es jedoch nur im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplanes, der
bestimmte Regeln für Haus und Garten festschreibt. In unserem Falle war es das mar-
kante Problem der 1 1/2 geschössigen Bauweise. Unser Haus durfte also nur ein Voll-
geschoß haben - ein Umstand der unserer Baufirma auch bekannt war. Leider begann
das ganze Theater zunächst mit einem Fehler unserer Firma "UniHAUS", die für die
Bauanzeige ein 2geschössiges Haus einreichte.

Mitte Januar erhielt ich dann einen völlig überraschenden Anruf von der unteren
Baubehörde in Oranienburg, dass unser Bauverfahren abgelehnt wird - Begründung
war die nicht eingehaltene 1 1/2 geschössige Bauweise. Man bot uns aber an, das
Anzeigeverfahren in ein Genehmigungsverfahren umzuwandeln, damit wir unseren
Einreichungsstichtag behalten könnten (Thema Eigenheimzulage).

Unsere Firma änderte die eingereichten Daten und so sollten die Dinge schnell ihren
Lauf nehmen...sollten. Denn es kam alles anders. Inzwischen hatte die Gemeinde - in
diesem Fall die Leiterin des Bauamtes einen Vermerk an die Untere Baubehörde ge-
fertigt, wonach durch den Konkurs des ehemaligen Verkäufers die Erschließung des
Baugebietes als nicht mehr gesichert anzusehen ist.

Daraufhin wurde -welche Überraschung- unser nun korrekter Antrag wieder abgelehnt.
Mit genau dieser Begründung. Nach endlosen Telefonaten und einem Puls von 499
waren wir genauso schlau wie vorher. Wie soll das jetzt bitte weitergehen?

Wir konfrontierten unseren Grundstücksverkäufer mit der Problematik. Dieser unter-
stützte uns recht vorbildlich, den Rahmen kann ich hier aus bestimmten Gründen nicht
wiedergeben. Auf jeden Fall legten wir Einsprüche noch und nöcher ein und hatten von
nun an Termine Termine Termine. So führte uns u.a. ein Termin zu dem Amtsleiter der
Gemeinde Kremmen - besser bekannt als "Bürgermeister",

Der Bürgermeister Herr S. empfing uns in seinem Büro, nach kurzem Vorgeplänkel
kamen wir dann zur Sache. Wir baten ihn, uns von dieser unsäglichen Behauptung der
nicht gesicherten Erschließung freizustellen und der Baubehörde mitzuteilen, dass dies
auf unser Grundstück nicht zutreffen würde. Dies tat er allerdings nicht - im Gegenteil.
Er erklärte uns, dass der neue Grundstücksverkäufer Herr K. sich noch nicht einmal
mit der Gemeinde getroffen habe und er uns als Druckmittel(!) bräuchte - damit dieser
sich mal ein bißchen bewegen würde. In weiteren Ausführungen gab er uns noch zu
verstehen, dass wir uns die Baugenehmigung auch einklagen könnten und dabei auch
Recht bekommen würden...man muß sich das mal vorsichtig auf der Zunge zergehen
lassen. Mein Puls war inzwischen bei 999 angekommen und mir klingelten die Ohren.

Die Dinge nahmen dann ihren Lauf, unzählige Telefonate mit der zwar recht netten aber
offensichtlich vollkommen überforderten Sachbearbeiterin in Oranienburg sorgten für
immer mehr Ärger und Unmut. Da die Behauptung der Gemeinde schlichtweg falsch
und unrichtig war, hätte die Untere Baubehörde das Einverständnis der Gemeinde
ersetzen können und auch müssen - taten die aber nicht. Man ließ uns quasi am aus-
gestreckten Arm verhungern, als Spielball zwischen den Instanzen. Echt berauschend.

Nach einiger Zeit und wirklich vielen Telefonaten, erwogenen Dienstaufsichts-
beschwerden, Anzeigen und ähnlichem sinnlosen Zeug kam endlich Bewegung in die
Sache. Bei einem erneuten Termin zeigte sich der Bürgermeister S. so, wie ich mir
einen Bürgermeister vorstelle. Wir sprachen nochmals über die Thematik und wiesen
ihn einfach nochmal darauf hin, dass wir nur ein Haus bauen wollen...nicht der Spielball
auf den Wellen des Behördenozeanes sind.

Im Ergebnis erhielten wir ein Schreiben, dass die Erschließung im Minimalzustand nun
doch als gesichert gilt. Das ging an die Baubehörde uuuuuuuuuuuuuuuuuuund:

NICHTS PASSIERTE! Denn nun mußte die Sachbearbeiterin erstmal prüfen. Unsere
Akte war der guten Frau seit Wochen bekannt, seit Wochen hätte sie die Akte schon
mal vorab prüfen können, ob alles stimme. NEIN! Das passierte jetzt, wo wir schon
endlose Nerven an dieser ganzen Horrorgeschichte gelassen haben. Zum Glück fand
die gute Frau nichts verwerfliches mehr und wir konnten unsere Baugenehmigung am
01.April dieses Jahres abholen. Das taten wir dann gleich persönlich, um ganz sicher
zu gehen. Wir zahlten unsere 672 EURO dafür und zogen wie Gewinner ohne Ruhm
vom Schlachtfeld. Auf solchen Käse hatten wir uns nie zuvor eingestellt...

Fazit:  Wann immer Sie mit Baubehörden zu tun haben - rechnen sie mit dem absolut
allerschlimmsten. Machen Sie sich keinerlei Illusionen, lassen Sie sich nur von den
positiven Ereignissen überraschen und rechnen Sie mit den absolut negativsten.

Ich glaube, hätten wir nicht soviel Alarm und Terror gemacht, wir hätten die Bauge-
nehmigung noch heute nicht. Sie als Antragsteller sind eine formlose Null ohne Inhalt.
Wir können jedem nur empfehlen, sich zu wehren und zu kämpfen. Warum ich mir als
Mensch mit einer regulären Arbeit und wenig Zeit überhaupt soviel Ärger antun muß,
ist mir bis heute ein Rätsel. Wir wollten eigentlich nur ein Haus bauen... Für uns steht
jedoch klipp und klar fest. Beim nächsten Mal - beim nächsten Anzeichen von solcherlei
Ärger wird die Sache einem Fachanwalt übergeben. Mit allen Konsequenzen. Auch
wenn der uns zu teuer war...die eigenen Nerven sind noch viel viel teurer!

Eine Anmerkung: Diese Schilderung gibt die Ereignisse aus unserer Sicht wieder. Sie soll nur erzählen,
jedoch niemanden beleidigen. Sollte sich eine der genannten Personen wiedererkennen und eine Gegen-
darstellung wünschen, werde ich sie hier egal welchen Inhaltes veröffentlichen. Ansonsten freue ich mich
auch über Geschichten die anderen passiert sind. Wenn das Forum fertig ist, wird man sich dort bestens
darüber austauschen können.